
(7. Februar 2012)
Kreativität fördern
Tipps zur Arbeitsplatz-Gestaltung
von Hirnforscher Prof. Dr. Ernst Pöppel
Der Umgang mit Wissen entwickelt sich zu dem zentralen Erfolgsfaktor für Unternehmen, aber auch für jeden Einzelnen. Nur wer in der Lage ist, sich den stetig wechselnden Anforderungen des Marktes und seiner Kunden anzupassen, wird auf Dauer erfolgreich sein können. Während jedoch die Prozesse in der Produktion in den vergangenen Jahren bis ins Detail analysiert und optimiert wurden, entzieht sich der Umgang mit Wissen einer direkten Messung und Kontrolle. Die Folge ist in vielen Fällen ein geradezu fatalistischer Umgang mit der Wissensarbeit und den dafür notwendigen kreativen Fähigkeiten der Mitarbeiter.
Vielleicht fehlen aber auch einfach nur die Ideen, wie Kreativität im Rahmen alltäglicher Arbeitsprozesse gefördert oder unterstützt werden kann. Dabei gibt es zahlreiche Ansatzpunkte:
Anforderungsvielfalt und Spielräume in der Arbeit gelten als zentrale Faktoren einer kreativitätsförderlichen Arbeitsgestaltung, die Kombination aus Kommunikation und Konzentration als ideale Arbeitsbedingungen. Unstrittig ist auch, dass das räumliche Umfeld einen starken Einfluss auf unser Denken hat. Was das für die Gestaltung von Büroarbeitsplätzen bedeutet, erläuterte jüngst der wohl prominenteste Hirnforscher Deutschlands, Dr. Ernst Pöppel, Professor für Medizinische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, in einem Beitrag in der ersten Ausgabe des Fachmagazins "alex". Die zentralen Aussagen haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.
Hinweise zur Arbeitsplatz-Gestaltung:
- Territorien einrichten
Wer einen neuen Arbeitsraum bezieht, packt in der Regel zuerst die persönlichen Dinge aus – um sich einzurichten und heimisch zu fühlen. Der Arbeitsplatz wird so zum persönlichen Bezugspunkt und signalisiert Sicherheit. In Sachen Kreativität sind daher in der Regel persönlich zugewiesene Arbeitsplätze vorteilhafter als non-territoriale Konzepte. - Den Blick öffnen
Ideal sind Arbeitsplätze, die einen Blick ins Freie zulassen. Der Geist kann dann in die Ferne schweifen. Einen ähnlichen Effekt wie der Blick durch ein Fenster haben Bilder. Auch diese erhöhen die Diversität (Vielfalt) und können damit die Gedanken in eine neue Richtung lenken. (Hinweis der Redaktion: Eine englische Studie aus dem Jahr 2010 unterstützt diese Aussage: Wenn die Beschäftigten Bilder und / oder Pflanzen für ihren Arbeitsplatz auswählen durften, stieg deren Produktivität um bis zu 32 %.) - Arbeiten in einer Ebene
Die meisten Menschen brauchen Bewegung, um neue Ideen entwickeln zu können. Büroeinrichtungen sollten also Bewegung und Ortswechsel fördern. Allerdings: Denn Denken und Handeln finden in zwei Dimensionen und in einem Radius von 50 Metern statt. Arbeitsplätze und Kommunikationszonen sollten daher in relativer Nähe zueinander liegen – und auf einer Etage.
- Unordnung zulassen
Ein aufgeräumter Schreibtisch ist Ausdruck von Ordnung und erleichtert viele Arbeitsabläufe. Für kreatives Denken kann es aber auch hilfreich sein, den Schreibtisch nicht immer komplett aufzuräumen. (Anmerkung der Redaktion: Eine visuelle Abschirmung einzelner Arbeitsplätze trägt dazu bei, dass Büroräume als Ganzes dennoch ordentlich wirken.)
Organisatorische Tipps:
- Kreativität benötigt nicht nur Kommunikation, sondern auch Stille. Eine Stunde ohne Kommunikation kann für kreative Schübe sorgen.
- Kurz vor dem Essen sind die Chancen auf kreative Ideen besonders gut. Mit vollem Magen fällt das Entwickeln neuer Ideen dagegen relativ schwer.
"Um kreativ zu sein, muss man aus dem gewohnten Rahmen einer Erwartung heraustreten."
Für Büroplaner heißt das, eigene kreative Ideen in das Bürodesign einfließen zu lassen. Sorgen Sie also für etwas Abwechslung in den Büros Ihrer Kunden, hinterfragen Sie deren Vorstellungen von ihren künftigen Büro-Arbeitsplätzen, aber berücksichtigen Sie auch die persönlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter.
| Was ist eigentlich Kreativität? |
| Ganz allgemein: Die Fähigkeit, immer wieder neue (nützliche) Ideen zu entwickeln. Und: Kreativität ist die Voraussetzung für Innovation und effektive Wissensarbeit. |
Quellen: www.alex-magazin.de, www.buero-forum.de
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